Backinthedaze.

Livin' la vida locker easy.

Ronnie Earl & The Broadcasters – Kay My Dear (2007)

by Kilian

Ein sonniger Donnerstagmorgen in Leipzig, sturmfrei in der WG, Meditation Medication, Ayran im Kühlschrank, neue Boxen und ein neuer Verstärker auf dem Weg zu mir, außer der unglaublich zeitintensiven Aufgabe des Kaufens von Waschmittel annähernd nichts zu tun und soeben auch die Abgabefrist für meine Hausarbeiten um 14 Tage nach hinten schieben können: Heißt, zusammengefasst, Kili macht jetzt erstmal nix. Naja, Musik hören und darüber schreiben eben – soviel Zeit muss sein!

Meine Laune könnte angesichts dieser doch angenehmen Kombination gerade eigentlich nicht besser sein, weshalb der erste Beitrag eines heute hoffentlich produktiven Bloggertages wohl eigentlich nicht zur Stimmung zu passen scheint. Es wird bluesy. Bluesy as fuck. Begegnet ist mir dieser – Spoiler – großartige Track in einem YouTube-Video, welches meine Aufmerksamkeit eigentlich nur daher bekam, dass der Uploader darin die gleichen alten Telefunken-Boxen, welche ich jüngst erstanden habe, mit seinem Setup in seiner Wohnung präsentiert – gems in strange places, sozusagen.

Das Stück stammt von einer mir bis dato – nicht, dass meine Beschäftigung mit dieser Domäne zeitgenössischer Musik von übermäßiger Intensität gewesen wäre – unbekannten, echten Größe des kontemporären US-amerikanischen Blues: Ronnie Earl. Großartiger instrumentaler Blues eines Musikers, der nicht ein, nicht zwei, sondern bereits drei Mal den Titel „Guitar Player of the Year“ des Blues Music Magazine sein Eigen nennen konnte, begleitet von seiner Band The Broadcasters. Im Falle von „Kay My Dear,“ welches 2007 auf dem Live-Album „Hope Radio“ über Stony Plain Records erschien, sind die Musiker der Broadcasters Forrest Padgett an den Drums, Dave Limina an der Orgel und am Klavier sowie Jim Mouradian am Bass. Live wird die Band aus Boston, Massachusetts, darüber hinaus noch von Diane Blue als Vokalistin unterstützt. Discogs bezeichnet das Genre des Albums als „Modern Electric Blues“ und auch, wenn ein simples „Blues“ genügt hätte, ist die Bezeichnung doch sehr treffend. Lang gehaltene Noten, viel Twang, ein für den Blues nicht ungewöhnliches, sehr reduziertes Tempo, ideal unterstützende Backgroundmusiker und bestechendes Gitarrenspiel von Ronnie Earl – über den B.B. King nebenbei ein dem Ritterschlag ähnelndes „He makes me proud!“ zu sagen hatte – veredeln diese erst kürzlich von mir entdeckte Nummer zur echten Perle.

via Valerio Pulciani

Die Peitsche der grünen Dame: Lazy Lu (feat. LUX und Johnny Rakete) – Wenn ich breit bin

by Kilian

„Bis dann eintausend bitterböse Schreie / find‘ die Mitte, schwimm im seichten / Wasser zwischen den Gezeiten / Wenn du weißt, dass du nicht frei bist / nur getrieben von der Peitsche / der grünen Dame, dann ist das keine Liebe / sondern Scheiße!“ – Johnny Rakete

Jeder auch nur halbwegs aufmerksame Leser dieser Plattform und auch jeder nur halbwegs aufmerksame Konsument jedweder deutscher Rapmusik muss nicht darauf hingewiesen werden, dass zwischen dem Genre der einen Liebe und des Boom und Bap, ihren Fans und Funktionären und dem THC-haltigen Healing of di Nation, Cannabis, Marihuana, Mary Jane, eine wechselseitige Liebesbeziehung gibt, deren Vorzüge schon zur Genüge in musikalischen Hommagen verwertet wurden. Doch auch, wenn die dunkle Seite des Buds hier und da einmal aufgegriffen wurde, fehlt dem selbstreflektiven Pot- und Raphead die Hymne für die cannabisinduzierten Momente ganz unten. Bis jetzt.

Drei Bazis auf dem Weg nach oben: Der Nürnberger Lazy Lu, der Fürther und Wahlmünchner Johnny Rakete und LUX aus der bayerischen Landeshauptstadt machen gemeinsam auf einen auditiven Genickbrecher des Münchners Cap Kendricks – nicht umsonst junger, bayerischer, Produzentenexportschlager – eben genau das nicht, was man von drei rotäugigen Jungrappern erwarten würde und liefern auf „Wenn ich breit bin,“ der am heutigen Dienstag über den Channel der JUICE veröffentlich wurde, eben „kein[en] unreflektierten Lobgesang auf THC.“ Stattdessen gibt es in den drei Parts weise Worte voller Einsicht, die ein jeder, dessen Leben in Vergangenheit und Gegenwart unter dem nach dem Prinzip Zuckerbrot und Peitsche agierenden Zauber der grünen Dame stand, nachvollziehen können sollte. Die Cuts liefert der gute alte S-Trix – immerhin stolzer Sieger von insgesamt 13 DJ-Meisterschaften und extrem versierter Turntablist – aus meiner guten alten Hood aus der unterfränkischen Provinz und arrondiert so das beeindruckend zusammenpassende Klangbild aus Raps, Cuts und Produktion, für deren Visualisierung nicht zuletzt Deutschraps Darling Arvid Wünsch verantwortlich zeichnet. Bayern is a Weltmacht – auch im Rap.

„Wenn ich breit bin“ erscheint am 1. Oktober auf der Debüt-EP von Lazy Lu, „Paradoxon,“ welche komplett von Cap Kendricks produziert zum kostenlosen Download erscheinen wird.

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via JUICE

My Sleeping Karma – Ahimsa (2009)

by Kilian

Was ist das für 1 Stadt? Nicht nur, dass aus dem beschaulichen Aschaffenburg – wie bereits andernorts erwähnt angenehme 50km von meiner Heimat entfernt – nicht zu vernachlässigender Hip Hop stammt, sie mit Schlappeseppel eines der besten Biere Deutschlands und mit dem Colos-Saal einen der besten Veranstaltungsorte der Region haben, nein, nun darf ich auch noch bei meiner Recherche herausfinden, dass eine der Bands, die mich exzeptionell gut in meiner akademischen Arbeit der vergangenen Tage und Wochen begleitet hat, ebenfalls von dort stammt – My Sleeping Karma.

Bestehend aus Matthias „Matte“ Vandeven am Bass, Norman Wehren am Soundboard, Steffen Weigand an den Drums und Seppi an den sechs Saiten, haben sich My Sleeping Karma, deren Mitglieder sich bereits aus anderen Bands kannten, 2006 formiert und mit einem selbstbetitelten Debütalbum im gleichen Jahr den geneigten Musikkenner mit feinstem instrumentalen Rock angefixt. Um die Bandwebsite zu zitieren: „My Sleeping Karma never fail to create an unique and hypnotic score of epic proportions that is bound to send the listener on deep mental journeys.“ Punkt.

Denn exakt dieser einzigartige, hypnotische Sound, den die vier Unterfranken ohne großen Einsatz von Sprache – ein paar Lyrics hier, ein paar gesamplete buddhistische Gesänge dort – kreieren, ist es, der die Attraktion dieser Band ausmacht. Progressiv, psychedelisch, sphärisch, dennoch intensiv und gleichzeitig trippy und extrem versiert instrumentiert. Für jeden Fan grooviger, spaciger Rockmusik mit Jam-Charakter eine absolute Empfehlung: Keine überladenen, opulenten, überproduzierten Klangwände, sondern intelligent komponierte und ausgewählte, in ihrer Anzahl reduzierte Themen und Motive bestimmen den viele Parallelen zu instrumentalem Stoner Rock aufweisenden Sound.

Der Opener ihres zweiten, im Jahr 2008 über das Label der deutschen Psych-Rock-Urgesteine Colour Haze aus München, Elektrohasch, veröffentlichen Longplayers „Satya“ stellt hierbei keine Ausname dar. „Ahimsa“ – betitelt nach dem im Hinduismus und Buddhismus elementaren Prinzip des Nicht-Verletzens und der Gewaltlosigkeit – könnte ein Album nicht besser eröffnen und steht exemplarisch für den genialen Sound der vier Aschaffenburger. Instrumentaler Rock, voller Groove und Gefühl, mit präzise dosierten Phasen des Drucks und der Entspannung, sphärisch, trippy, psychedelisch, um sich darin verlieren zu können. Das Album lässt sich, YouTube sei Dank, dort ebenfalls in voller Länge finden und sei jedem, ob Aficionado oder Neuling, zweifellos ans Herz gelegt.

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Für den Mann von Qualität aus dem Kiez ein Muss: Shacke One – Nettelbeckplatz / Stecks Schmiers & Suff

by Kilian

Herbst, Herbst, Herbst allerorten. Was tun gegen die sich langsam einstellende Tristesse? Durchbrecht den monochromen Dienstagnachmittag mit erfrischendem Berliner Battlerap der alten Schule: Ein neues Video von Shacke One! Der Nordberliner MC aus dem Wedding und kongeniale Nordachse-Partner von MC Bomber, dem P-Berg Ayatollah, veröffentlicht angesichts seines jüngst releasten Debüts „Stecks Schmiers & Suff“, welches der geneigte Rapfan hier bei Upstruct for free downloaden kann, ein neues Doppelvideo zu den Tracks „Nettelbeckplatz“ und dem Titeltrack „Stecks Schmiers & Suff.“ In meiner bescheidenen Meinung ist Shacke – im Vergleich zu seinem Partner in crime MC Bomber (props / no hate) – auch der versiertere Rapper der beiden. Die Punchlines schneiden scharf, kommen on point und die geradlinige Atzenlingo, mit adäquatem Klangbett von respektablen Produzenten ausgestattet, rundet das authentische Bild des Raps vom Weddingdon ab.

Der erste Track des Videos, eine Ode an den Nettelbeckplatz im Wedding, in dessen Nähe sich beispielsweise auch das ehemalige Stattbad und die Panke befinden, kommt auf einen Beat von Achim Funk, der auch noch einige weitere Nummern auf dem Tape produziert hat. Die zweite Nummer, der Titeltrack des Tapes, featured einen Sample-Beat allererster Güte, eine in gewohnter Top-Qualität überzeugende Produktion von Klaus Layer aus Berlin, definitiv einem der Besten seiner Zunft. Abgerundet wird die Videoveröffentlichung durch die Bilder von Dominik Galizia, der mit Sommer, Sonne und Großstadt die Erinnerungen an die jüngst dahingeschieden zu sein scheinenden warmen Tage wach hält. Berlin Boom Bap Battlerap – Brett!

via Morlockk Dilemma | Beitragsbild: Screenshot

Moody Mondaze: Electric Octopus – This Is Our Culture

by Kilian

Lagebericht aus dem kushvernebelten Backinthedaze.-Hauptquartier in Leipzig: Kurt Eisner bestimmt momentan meine produktiven Stunden. Nicht nur, dass dieser idealistische, integre, verklärte und verkannte bayerische (sic!) Sozialist – so etwas kann man sich wirklich nicht ausdenken –, sein Leben und Wirken Zugang zu einer unglaublich interessanten Epoche und auch Persönlichkeit bieten, nein, ich habe auch noch das zweifelhafte Glück, über seine außenpolitischen Ideen eine Hausarbeit zu verfassen. Zweifelhaft daher, dass ich absolut begeistert bin von diesem Thema, aber andererseits – sagen wir es, wie es ist –  mir durchaus wünschte, meine Ferien und den Workload ein bisschen besser eingeteilt zu haben.

So viel zum Setting der vergangenen Tage. Man nehme dazu noch das sich sukzessive verherbstende Septemberwetter und ihr könnt euch ungefähr meine Motivation vorstellen. Ich weiß nun persönlich nicht, wie es anderen Studenten aus meiner Leserschaft so geht, aber einerseits mag ich die mehr oder minder erzwungene Produktivität der Universitätsbibliothek, andererseits fehlt mir dort einfach die Musik. „Es müsste immer Musik da sein“ indeed. Allerdings will ich niemanden stören und auch nicht auf adäquate Lautstärke verzichten, daher arbeite ich dann und wann auch ganz gerne in meinem vor Ablenkung nur so strotzenden zuhause. Die Beschallung ist aber ortsunabhängig immer gleich – instrumental. Nicht zwingend elektronisch, aber instrumental. Weniger Ablenkungspotential, keine womöglich nervigen Lyrics, oft sphärisch oder irgendwie trippy, you know the deal.

Bei der Lektüre eines Textes über Kurt Eisners Ort in der sozialistischen Bewegung, die und deren Exzerpt den größten Teil meines heutigen Montages beansprucht haben, werde ich auf einmal in der – erschreckend oft erschreckend richtig liegenden – Recommended-Leiste bei YouTube fündig und stoße auf ein absolutes Nugget: „This Is Our Culture“ – ein Album, über 70 Minuten Spieldauer in drei Tracks. Yes, you heard that right. Mitreißender, aber nie aufdringlicher Jam Rock, der, mal verspielt, mal zur Ruhe kommend, mal funky, mal jazzy, mal bluesy, durch die Improvisation und Interpretation der drei Musiker quer durch jedwede Session-Spielart mäandert. Die Band dahinter hört auf den klangvollen Namen Electric Octopus und stammt aus dem nordirischen Belfast, sie besteht aus Dale Hughes am Bass, Tyrell Black an der Gitarre und Guy Hetherington an den Drums. Gitarre, Schlagzeug, Bass – irgendwas mit Dreifaltigkeit, aber mehr, wie die drei jungen Herren aus der nordirischen Hauptstadt unter Beweis stellen, braucht es wirklich nicht für beeindruckende Rockmusik. Veröffentlicht wurde das aus drei Tracks respektive Jams bestehende Album, „Disenchanted Creative Response„, „Absent Minded Driving“ und „Sundried Equivalence“ im Juni 2016 via Bandcamp.

Electric Octopus‚ „This Is Our Culture“, das laut Info aus einem spontanen, nicht lange überdachten Trip ins Studio stand – eine Prämisse, der man mit jeder Sekunde des Albums näher kommt – war für mich heute Gold wert. Treibend, wenn es treibend sein musste, kontrapunktiert von entspannenden Phasen der leisen Töne und geringeren Tempi. Mal klar, mal fuzzy, mal in bester Stoner-Manier verzerrt, nicht zu hart und nicht zu weich, dazu die simpel gehaltene Instrumentalisierung, jazzig-experimenteller, erfrischender Rock, der über eine Stunde exzellente Unterhaltung bietet – da ist das von H.P. Lovecraft inspirierte Cover nur die Kirsche auf der Sahnehaube.

(Direktlink)

Diggin‘ the scene with a gangsta lean: Rrari Paapi – Scurrderia Rides #1

by Kilian

Zeitgenössischer, populärer Hip Hop aus den USA war für mich, in meiner bisherigen Karriere als Fan, selten ein Thema und ich bin auch, um ehrlich zu sein, mit dem Großteil der Releases und der als Hoffnungen verkauften und vermarkteten Künstler jenseits des Atlantik nicht wirklich warm geworden. Mit dem Aufkommen des in bundesdeutschen Gefilden so unsäglich mit Cloud Rap betitelten Rapstils, der ja selbstverständlich seine Wurzeln in den USA bzw. im Internet hatte und statt komplizierten Reimen als Qualitätsmerkmal auf einmal unverständliches Geseiere auf überproduzierte Plastikbeats teilweise die Norm wurde, war für mich dann eigentlich sowieso der Keks gegessen und ich verlegte meinen Fokus wieder hin zum online diggen, statt unbedingt auf der Höhe bleiben zu müssen. Langer Rede kurzer Sinn: Ich verbringe einfach keine Zeit damit, mir solchen Kram anzuhören, höre kein Radio und gehe höchst selten in Clubs, in denen einer breiten Hörerschaft gefallen sollender Hip Hop gespielt wird und das gesamte Klangbild und die Produktionselemente nerven mich, wenn ich einfach nicht in der Stimmung bin, in jeder Faser meines Körpers.

Nichtsdestotrotz bin ich ja ein stets offener Mensch und niemand, den man nicht überzeugen kann. So setzte mir die wohl mächtigste Meinungsmachemaschine der Geschichte der Menschheit, der weise, bald zu unserem digitalen Overlord mutierende und die Menschheit bis ans Ende ihrer mickrigen Tage zu einem Leben in Knechtschaft verdammende Facebook-Alogrithmus, der uns nur zur Befriedigung seiner ob seiner Genese aus all unserem abgefuckten Input entstehenden perversen Triebe unsere restliche Zeit auf Erden versauen wird, folgendes Tape vor die Nase, was, um die beiden hier angefangenen Erzählstränge einfach mal gekonnt zusammenzuführen, sowohl meine Meinung über die soi-disant jüngere Klangästhetik englischsprachigen Hip Hops etwas revidieren konnte als auch ewige Leibeigenschaft etwas smoother und angenehmer gestalten könnte. So, Kurve gekriegt.

Ganz aus der Nähe meiner unterfränkischen Heimat, aus dem schönen Städtchen Aschaffenburg – ich kann jedes Mal nur ein Shoutout an Schlappeseppel geben, krank gutes Bier – stammt die Cosmo Gang, deren Mitglieder hier und dort auch schon auf dem Blog gefeatured wurden, daher verweise ich auf einfach mal auf die verlinkten Posts für weiterführende Informationen. Aus der Mitte dieser in der gesamten Bundesrepublik verstreuten Gang mit Homebase AB steppt Rrari Paapi an die Decks und bringt der geneigten Hörerschaft „Scurrderia Rides #1„, einen etwas über 50 Minuten langen Mix, der einfach Laune macht. Bei mir im sonnigen Leipzig gestern und heute einfach der optimale Soundtrack gewesen, auch wenn ich, wie oben erwähnt, mit einer großen Portion Musik dieses Spektrums so rein gar nix anfangen kann. Nunja, manchmal ist das Ganze eben doch mehr als die Summe seiner Teile. Das Set, welches im Rahmen der ersten immer.ready-Party (immer.ready ist die recht interessante Kombination von Marvin Game, Holy Modee, Morten und Mauli) auf Soundcloud veröffentlicht wurde, gefällt mir bei jedem Replay besser – exzellentes Wetter, coole Tunes und Wochenende, könnte schlimmer sein. „Ein paar immer.ready Banger, viele aktuelle (RAP)HiTS, ein paar Klassiker aus der golden Era (2012-2015) und etwas POP für die letzten schönen Tage des Jahres“ – interessante Definition von „Golden Era“, aber sonst, yo!

via Cosmo Gang

Die Party ist zu Ende: Jan Böhmermann zur Zukunft des Neo Magazin Royale

by Kilian

Man möchte nichts anderes, als gemütlich am Freitagmittag in Richtung Wochenende zu schliddern, da kommt über den digitalen Äther der mediale Aufreger der Woche rein: Jan Böhmermann, von meiner Wenigkeit höchst respektierter und verehrter Moderator des Neo Magazin Royale bei ZDFneo, zieht die Reißleine.

In einem etwas über sieben Minuten langen Video, betitelt mit „Macht doch Euren Scheiß alleine! So geht es nicht weiter!„, wendet sich der Moderator und Satiriker an das Internet und gibt eine leidenschaftliche, mit diversen direkten Spitzen gegen Mitarbeiter und Redaktion gefüllte Chronik der Zustände beim Neo Magazin Royale, in der Bildundtonfabrik (btf) und im Studio König in Köln-Ehrenfeld. Das Video wurde über seinen privaten YouTube-Channel am Freitagmittag veröffentlicht und der blasse, dünne Junge aus Bremen-Vegesack illustrierte die Situation bei Twitter noch weiter in Wort und Bild. Bereits am Morgen kündigte er an, dass heute der Knüppel aus dem Sack gelassen werden würde:

 

Ohne dem Video zu viel vorweg nehmen zu wollen, fehlt dem Moderator und Chefredakteur schlicht und ergreifend in seinem eigenen Stall die nötige Seriösität und Ambition, wenn es darum geht, in einem Medium, in dem Quote alles ist, bei einem öffentlich-rechtlichen Sender und in einer Sparte, in der die Konkurrenz ob der werberelevanten Zielgruppe gnadenlos sein dürfte, gutes Fernsehen zu machen. Darüber hinaus sehen die Mitarbeiter die wöchentliche Ausstrahlung offenbar Mal um Mal als Grund zu exzessivem Feiern, was in zu erwartender Sauberkeit der Räumlichkeiten und in Unmut bei Böhmi Böhmermann resultiert.

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Nicht nur für mich, sondern wohl das gesamte Internet kam das überraschender als eine Torte für Beatrix von Storch. Ich wollte eigentlich ein paar Hip-Hop-Gems droppen, bevor meine Eltern anreisen, aber war wohl nix. Zwar ist mir persönlich durchaus aufgefallen, dass die Konstanz in der Qualität durchaus ein Problemchen des Neo Magazin Royale war, welche aber oft genug durch absolute Highlights der Qualitätsunterhaltung relativiert wurden. Man denke da nur beispielsweise an Höhenflüge wie Varoufake – zugegeben, ein „One of a kind“-Coup – im Gegensatz zu solch qualvolle Lückenfüller wie den „Selfie deines Lebens.“ Warum nicht mal wieder das „Digitale Quartett“ die Metaebene von Offline und Online durchbrechen lassen?

Ich persönlich bin eindeutig #TeamBöhmi, was das angeht, da ich nicht nur durch seine Sendung, doch vor allem auch durch „Sanft & Sorgfältig“ (R.I.P.) seine Denke kennen gelernt habe und ich der Meinung bin, dass er diesen Schritt nicht gehen würde, wenn er ihn nicht für absolut notwendig erachten würde. Mag sein, dass er einiges überdramatisiert, es wird sich zeigen, wie die Sache weitergeht, aber er sagt auch viel Wichtiges und offenbar Richtiges in seiner State Of The Program Address ans Zweite Deutsche Internet. Hier findet ihr das Video in voller Länge, bildet euch eure eigene Meinung. Ich bin und bleibe Fan!

via @janboehm (Twitter)

If Winter comes, can spring be far behind? adidas NMD R1 Primeknit „Winter Wool Pack“

by Kilian

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Eines der distinkten Phänomene, das besonders durch die weiter voranschreitende und in dieser Form wohl auch nicht mehr aufzuhaltende Digitalisierung in Bereichen wie Fotografie, Fashion, Musik, Filmen, Videos und jedweden anderen unter dem Einheitsbegriff „Content“ zusammengefassten Onlinelückenfüllern sichtbar wird, ist die rapide sinkende Halbwertszeit ihrer Trends. Waren beispielsweise „Nachdenkliche Sprüche mit Bilder“ oder „Was ist das für 1 Life?“ zu Beginn ihres digitalen Daseins noch großartige Geheimtipps – das Diggen nach gutem Material sollte auch dem Online-Connaisseur ein Anliegen sein – so sehen sich diese innerhalb kürzester Zeit mit einer Flut aus Likes, Shares und allem, was dazugehört, ausgesetzt, sodass sich sogar der Inbegriff der Spießigkeit des deutschen Sparers und unlauterer Geschäftsmethoden und Strukturen, die Sparkasse, anschickt, damit um die Gunst des Neukunden zu werben. #Kempfen, Internet.

Die erwähnte Domäne der Mode im Allgemeinen und der Fußkluft im Speziellen bleibt von diesen Trends ebenfalls nicht verschont. War bis vor, über den Daumen gepeilt, fünf Jahren noch der Jordan das Alphamännchen unter den sammelbaren Sneakers, konnte in den vergangenen Jahren ein eigentlich saisonaler Wechsel unter denjenigen Schuhen beobachtet werden, die Fashionistas japsen lassen und Resellern Dollarzeichen in die Augen zaubern. Auch wenn der Jordan seine Position unter den großen Sammelleidenschaften wahrscheinlich nie ganz verlieren wird, so betrat in den 2010er Jahren doch durch die Modelle von Ronnie Fieg, die Monatsgehälter verschlingenden Schuhe eines Kanye West und in jüngster Vergangenheit den Ultraboost und den NMD von adidas bemerkenswerte Konkurrenz die Bühne, die wohl auch gekommen ist, um zu bleiben.

Doch wie eigentlich? Bei immer größerer Verfügbarkeit, immer mehr Modellen und Releases, immer mehr Colorways und auch immer größerer Bekanntheit steuert die Mode- und Schuhindustrie auf ein Szenario zu, in dem die Popularisierung einer wenig sexy anmutenden Gleichschaltung und Nivellierung gleicht, welche demjenigen, der sich von der Masse abheben will, immer weniger Nischen des Rückzugs in die Individualität ermöglicht. Dass nun auch in der BRAVO, Deutschlands lächerlichstem Jugendmagazin, 13-Jährigen der NMD von adidas – immerhin ein Sneaker, der sich preislich zwischen 140 und 170 Euro einpendelt – angepriesen wird, dieser im gewählten Beispiel selbstverständlich von Mamis oder Papis Kreditkarte bezahlt werden und sich das bundesdeutsche Fashiongame langsam, aber sicher (oder verdammt schnell, wer weiß das schon) zu einem dem Vereinigten Königreich ähnelnden, von Fuccbois und Hypebeasts dominierten Kindergarten verwandeln wird, welcher astronomische (Resale-)Preise, Campouts und präpubertäre Hanswurste in von oben bis unten gebrandeten Outfits ehemaliger Geheimtipps und/oder Luxusmarken allerorten generieren dürfte – fast geschenkt.

Genug der dystopischen Vorstellung einer per definitionem von Eitelkeit und Vergänglichkeit geprägten Domäne, hin zum Thema. Denn auch der medialen und massenmedialen Ausschlachtung des vielbesungenen „Pulses der Zeit“ zum Trotz, darf man sich auch von ahnungslosen Teenagern und unkenrufenden Realkeepern nicht den Spaß an einem guten Produkt verderben lassen. Der adidas NMD ist ein ebensolches: Wer das verhältnismäßig neue Leichtgewicht aus Herzogenaurach bereits am Fuß hatte, weiß, dass die Franken auch hier, nach ihren (seinerzeit) jeweiligen Volltreffern ZX Flux und Ultraboost, vieles, wenn nicht alles richtig gemacht haben. Die geschäumte Boostsohle ist eine Wohltat für jedes lauf- oder auch tanzintensive Bewegungsprofil, das Primeknit aus den fränkischen Laboren eine perfekte zweite Haut und auch shapemäßig spielt der NMD ganz weit vorne mit. Eine Neuversion des diesjährigen Zugpferdes der Franken steht für die kommenden kalten Monate ins Haus: Aufgewertet durch ein neues Wollgemisch im Obermaterial sollen die Modelle aus dem adidas NMD R1 Primeknit „Winter Wool Pack“ den Fuß auch in Väterchen Frosts Saison stilvoll und zugleich wetterfest warm halten. Farblich ist weniger mal wieder mehr, mit dem lässigen bitonalen Colorway ist der geneigte Schuhfreund stilsicher unterwegs. Ob die Wollelemente ihren Zweck erfüllen, kann allerdings wohl erst der On-Feet-Test im deutschen Schnee beweisen. Der adidas NMD R1 Primeknit „Winter Wool Pack“ erscheint am kommenden Freitag, 9. September, bei erlesenen Retailern wie Overkill oder 43einhalb.

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via PRAISE

Is this…? dotwav – Insanity

by vic.vicious

Seit wir das letzte Mal von den dotwav-Jungs berichtet haben, ist schon ein ganzes Weilchen vergangen. Dass die kreative Untätigkeit allein auf unserer respektive meiner Seite lag, beweist deren nunmehr dritte EP auf ihrem eigenen Label KONFLKT, die einer Solo-Scheibe (Van der Meers „Tate“ [K003], im Übrigen sehr empfehlenswert) und – ach, da war ja noch was! – der Erweiterung des ehemaligen Duos zu einem Trio nachfolgt.

Auf der A-Seite ihres jüngsten Werks gibt „Insanity“ bereits den rauen Ton der gleichnamigen EP an und erweist sich jedes großen Techno-Tempels als würdig, gefolgt von der Reinterpretation durch das ebenfalls in Berlin stationierte Duo I/Y (ich schiebe ja nur ungern anderen den schwarzen Peter zu, aber diese Verrückten tragen mit ihren Samstagsauftritten im Rahmen der Staub-Veranstaltungsreihe im about:blank definitiv eine Teilschuld an vernachlässigten Uni-Arbeiten sowie schmerzenden Beinen meinerseits!), das dem ganzen noch ein paar rhythmische Elemente und Claps hinzufügt.
„Distance“ auf der B-Seite kommt etwas deeper und melancholischer daher und wird im Anschluss von Hector Oaks alias Cadency zu einer trippy Dancefloor-Nummer mit hämmerndem Bass und hypnotischer Hookline verarbeitet. So entsteht im Ergebnis eine angenehm vielseitige Platte, die bei ihrer Tanzflächentauglichkeit nie Gefahr läuft, in stumpfe Loop-Monotonie abzudriften.

 

„Insanity“ [K004] erscheint voraussichtlich am 09. September 2016 als 12“ und digital. Bis es soweit ist, empfehle ich als Einstimmung… öhm… am besten alles, was auf KONFLKT bisher releast wurde. Präferenzen müsst ihr euch leider bei jemand anderem holen, denn ich bin leider, wie ihr merkt, aufgrund uneingeschränkten Zuspruchs in diesem Falle absolut ungeeignet.

via KONFLKT // dotwav // artwork by Paul Hutchinson

Fresh Faces: Mall Grab – I’ve Always Liked Grime

by Kilian

Auch wenn der geneigte Hörer der im Titel dieses Stückes genannten Aussage nur bedingt zustimmen mag, so besteht doch genügend Grund zur Hoffnung, dass ihn wenigstens das Stück selbst, nicht zuletzt ob seiner positiven Andersartigkeit, anzusprechen vermag. Eine erfrischende Prise Neues im vor sich hin köchelnden, zu einem Einheitsbrei zu verkommen drohenden Suppentopf, der sich elektronische Musik – in diesem Falle House – nennt.

Eine perfekt tanzbare, interessante Transplantation der erstmals von DJ Wonder populär gemachten, typisch gewordenen Grime-Sounds – spätestens seit Skeptas „That’s not me“ hinlänglich bekannt – in eingängiger, markanter und auf einen treibenden, durch kraftvolle Hi-Hats katalysierten House-Unterbau in gehobener Geschwindigkeit offenbart sich hinter dieser Nummer des australischen DJ und Produzenten Mall Grab. See what you did there: „I’ve Always Liked Grime“ kommt also nicht von ungefähr. Erschienen ist die Platte Anfang August 2016 über Unkown To The Unkown aus London, worüber beispielsweise in jüngerer und jüngster Vergangenheit auch Legowelt oder Daze Musik releasten. Neben diesem seinem ersten Release auf Unknown To The Unknown veröffentlichte Mall Grab bisher unter anderem auf Shall Not Fade – die völlig zu Recht gepriesene EP „Alone“ –, Hokkaido Dance Club oder Hot Haus Records. Getragen von den unverkennbaren Grime-Synths, vorangetrieben durch adäquate rhythmische Patterns und gespickt mit feinfühlig dosierten Vocals kommt alles als sehr, sehr starker Dancefloortrack zusammen – I have not always liked grime, but I like what it lead to!

(Direktlink)